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Da die meisten Texte mir/mich während des Gehens/Wanderns durch alle möglichen Gegenden passieren und besonders der Schritt/das Schreiten den Rhythmus vorgibt, sind sie immer auch Musik. Vielleicht für die Leser ganz gut zu hören, wenn sie sich darauf einlassen, sie nicht einfach nur im Sitzen oder Liegen zu lesen -
Auch im Herbst sitzt die Farnkrautfee,
die nichts von sterilisierten Fakten hält,
ohne jedes Uhrzeitgerät
in ihrem fast unfassbaren Märchenzelt.

Große Märchen und kleine Mären.
Von denen viele im Alltag verflögen,
wenn du und ich nicht hörend wären.
In den Büroräumen
Das Murmeln
Der Computer
All der vielen kleinen
Henker
Auch
Untereinander
Hat man früher die Kerle erschossen,
die Herrschaft Masken von Fratzen rissen,
wird ihnen heute – man tat ja lernen –
gerne Geld in die Herzen geschissen
Frau Hilbig hat ´nen jungen Hund,
der kaum noch frisst, kaum Wasser lässt
und nur noch unterm Sofa sitzt,
als sei noch jetzt Silvesterfest.
.
Frau Hilbig macht das nichts mehr aus.
Frau Hilbig hat die Heizung an,
daß sie ganz gut, da ja schon tot,
in Ruhe was vertrocknen kann.
Ich seh' es nicht und les' es doch.
Noch sind die Lippen mir nicht wund.
Die Zunge liest es noch einmal,
dein Monogramm auf meinem Mund.
Herr Grabowski ist
Leitender Angestellter
In einer Firma, deren Führung
Ihm nicht passt
.
Vielleicht hat er
Sogar schon
Lange ein Magengeschwür
Ein Rebell ist er
Nicht. Er will
Die Revolution
.
Fragt sein Chef
Ihn, wie er die Arbeit sähe,
Antwortet er:
Sie ist eine Herausforderung
.
Und glaubt
Sich, das sei
Ein versteckter Sprengsatz
.
Später, Zuhause
Setzt er sich
Seiner Frau gegenüber
Mit deutlicheren Sätzen ins Bild
.
Die kennt das schon und will
Morgen mal sehen,
Wie ihr eine neue
Küche steht
Er reitet auf dem Hohen Ross,
dieser Esel auf zwei Beinen.
Genehmigt ist er durch den Boss.
Einen Dümm´ren fand er keinen.
.
Brav duckt er sich zu jeder Zeit
und wird nie den Aufstand wagen,
ist jederzeit dazu bereit,
auch mal Scheiße weg zu tragen
. .
Ein Esel, der auch manchmal kläfft.
Doch nur manchmal, also wenig.
Denn ihm ist Mobbing das Geschäft.
Großer Meister? Nein, ein König.
.
Genau das, was ein Boss so braucht.
Ein ekler Begabungsneider,
der lächelnd bösen Atem haucht
und ein halber Chef ist, leider.
.
Als Halbchef nicht mal halber Mann.
Ein kleiner feiger Diktator.
Ob seine Frau ihn brauchen kann?
Ach, noch nicht mal als Vibrator.
Unweit dem Wahn der Autobahn
im Wald versteckt ein kleines Reich,
in dem, jetzt noch von Schnee bedeckt,
geschichtenschwer ein kleiner Teich.
.
Die Nixe, die am Ufer friert,
da nackt an diesem Teiche wacht,
und Augen wie ein Karpfen hat,
die hab´ ich mir nur ausgedacht.
.
Ein Fahrer hat was Frankfurt vor.
Er will vor Sechs dort unten sein.
Kurz vor der Auffahrt steht ein Mann
im Regen, also nicht allein.
.
Die Forderung ist unverschämt.
Wer nimmt im Regen schon wen mit?
Die Autobahn scheint auch noch glatt.
Und wer was läuft, der bleibt auch fit.
.
Der Mann scheint nicht verdrossen, winkt,
als ob er ohne Ärger wär´
und wünschte alles große Glück
dem netten Fahrer hinterher.
.
Warum denn nicht? So weit, so gut.
Nur manchmal muss was Nähe sein.
Und Frankfurt ist um Sechs erreicht?
Nein. An der Auffahrt stand Freund Hein.
Der Parkplatz ist am Wald gelegen,
weil der Mensch Erholung braucht.
Und noch ist die ganze Gegend
kühl in Nebel abgetaucht.
.
Und trotzdem stehen dort schon Wagen.
Ja, der ganze Platz steht voll.
Der Häher sieht´s, der Häher meckert,
krächzt entrüstet, was das soll.
.
Bunt sprenkelt sich ´ne Frauengruppe
in den Wald und fühlt sich gut,
weil sie jetzt dort mit viel Gejogge
auch was für die Umwelt tut.
.
Die Wildschweinrotte will noch schlafen.
Ach, wie faul doch Schweine sind.
Natürlich ist sie fürs Bedürfnis
dieser Frauen seelisch blind.
.
Bedrohlich grunzt ´ne starke Bache,
hier ist feindliches Terrain.
Sehr schnell wird den beherzten Frauen
unterm Jogginganzug eng.
.
Drauf eilt die Gruppe flugs zum Förster,
dem sie gern den Fall beschreibt,
daß der mal all die wilden Tiere
in ein Wildgehege treibt.
.
Ob der das macht? Denn nächste Woche
will man wieder in den Wald.
Das geht nicht mit den Schweinereien,
´türlich lässt das keinen kalt.
.
Und macht der´s nicht, dann gibt es eben
- keine Angst, das klappt dann schon! –
bald eine Unterschriftenliste
als Naturschutzpetition.
Der Regen peitscht die einsamen Höfe,
die geduckt und ängstlich lichternd stehen.
.
Die Sturmhand krallt sich in krause Büsche,
daß scheint, man würde Gespenster sehen.
.
Die Allee, eine Division Pappeln,
bös Gebeugte, die vorübergehen.
.
Der Fahrer auf der Jagd nach Terminen
würd´ gern dem Wetter den Hals rumdrehen.
.
Der Windkerl pumpt stark Luft in die Lungen,
um dann den Wagen ins Aus zu wehen.
.
Neigt man dazu, zu Hause zu stöhnen,
kann man gerne über das Geschehen
.
morgens was in der Zeitung erfahren.
Mein Vater war ein sehr weiser Mann.
Seine Tritte lehrten mich,
daß ich nach Fußnoten spielen kann.
Im Zimmer nagen Dunkelheiten.
Der Schrank, in dem die Alten wohnen.
Die Spinne jagt mit Traumgespinsten.
Erinnerungen sollen lohnen.
.
Die Kindheit war doch etwas Süßes.
Die Kindheit heißt, du sollst nicht klagen,
wenn dich ganz fest die lieben Eltern
erzieherisch zu Boden schlagen.
.
Der Vater macht nicht viele Worte.
Die Mutter hüllt sich eh in Schweigen.
Die Schuhe haben Stahl als Kappen.
Man kann auch mit dem Ziemer geigen.
.
Und in der Schule ist man fröhlich.
Um dort nur ja nicht anzuecken,
ist es sehr ratsam, das Zuhause
mit schönen Worten zu verstecken.
.
Will so ein Lehrer doch was wissen,
dann darfst du ihm ja nicht vertrauen,
denn der erzählt das deinen Eltern.
Die Mutter schweigt, wird man verhauen.
.
Nein, alles das ist eingebildet.
Die Kindheit war doch voller Süße.
Sogar zur Weihnacht gab´s was Festes.
Erinnerung schickt schöne Grüße.
Wintergraue Langeweile
kriecht sich durch den Samstagmorgen.
An der Straße Kübelpflanzen,
fühlen sich nicht sehr geborgen.
.
Tauben, die als schwarze Flecken
unter diesem Himmel huschen
wie Gespenster vor Geschäften,
die jetzt auch nicht viel vertuschen.
.
Wesen mit viel Wochenende,
die nicht wissen, was sie wollen,
die sich etwas Unsinn kaufen,
während schräge Hunde grollen.
.
Ausgezeichnet passt zum Wetter
ordentliche Griesgramkleidung.
Paare, die sich sonst sehr lieben,
träumen schon mal von der Scheidung.
Da ging ich so durch Wald und Flur
und liederte in einer Tour
sehr flegelhaft was mon amour -
.
Da stieß ich leider - ach, oh Weh -
auf mir vertraute Farnkrautfee,
die mich solch Liedern lassen hieß,
weil es ihr sonst ins Herze stieß'.
.
Sie sagte, daß sie leider weiß
- und hat ein bisschen was geweint -
daß ich mir meinem mon amour
tatsächlich ja nicht sie gemeint.